Die stillen Reserven im Rahmen der aktienrechtlichen Pflichtprüfung

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Stille Reserven sind nicht nur zum Politikum geworden, sondern sie drohen zum Mysterium zu werden. Waren sie einstmals Ausdruck vorsichtiger Bilanzierung und wurden sie in der Folgezeit von der Mehrheit von Gesellschaftern, insbesondere in Aktienunternehmungen zur Verfolgung der ihr gemäßen, den Interessen der Minderheit häufig widerstrebenden Ziele gebraucht (und nicht selten miß­ braucht), so sind sie seit dem Inkrafttreten des jetzt noch gültigen Aktiengesetzes von den Verwaltungen als das bilanzpolitische Mittel schlechthin betrachtet und gehandhabt worden, um die im Rahmen autonomer Unternehmungsplanung auf­ tretenden Finanzierungsprobleme selbst zu lösen, den sozialpolitischen Auseinan­ dersetzungen möglichst auszuweichen und um im übrigen den Outsidern den Einblick in die Lage der Gesellschaft zu verwehren oder doch erheblich zu er­ schweren. Motive und Ziele dieser Politik haben zu schwerwiegenden Beanstandungen ge­ führt. Es ist Forderungen Vorschub geleistet worden, die das Gefüge unserer Wirt­ schaft gefährden können. Dabei hat das Halbdunkel, das durch die Geheimbuch­ methode stiller Reservenpolitik erzeugt wurde, nur noch verschärfend gewirkt und sicherlich auch da Mißtrauen gesät, wo vertrauensvolle Zusammenarbeit zwi­ schen Verwaltung, Gesellschaftern und Belegschaft notwendig gewesen wäre. An­ passungsnotwendigkeiten auf preislichem, technischem, organisatorischem und ab­ satzpolitischem Gebiet, die in der Zeit nach der Währungsreform von 1948 um­ fangreiche finanzielle Reflexwirkungen auslösten, sind von den Unternehmens­ leitungen größtenteils auf dem Wege der Gewinnthesaurierung, und zwar weit­ gehend gerade durch Bildung stiller Reserven, finanziert worden.